Kein Alarm im Weltall

SF-Parodie
von Maja Ilisch

Episode XI

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Null


Prinzessin Calendula von Monos drehte und wendete sich vor dem Spiegel. Sie hatte gerade zum ersten Mal ihr neues Kleid anprobiert und war hellauf begeistert. Es war rosa und harmonierte auf die wunderbarste Weise mit ihrem Herzmund und den rosigen Wangen. Eigentlich trug die Prinzessin immer rosa. Irgendwo gab es wahrscheinlich einen intergalaktischen Kodex, der Prinzessinnen das Tragen anderer Farben untersagte, denn in ihrem ganzen Leben hatte sie noch kein Mädchen von königlichem Geblüt getroffen, das beispielsweise blau oder grün getragen hätte. Und alle waren sie blond. Aber Calendula war mit Abstand die Schönste von ihnen.
»Herein!« trällerte die Prinzessin, als es an der Tür klopfte. Wahrscheinlich war es ihre Zofe, die das Kleid gebührend bewundern konnte. Oder ein junger Prinz kam, um um ihre Hand anzuhalten. Oder der Klempner wollte endlich die Heizung reparieren.
Es war der Prinz. Calendula betrachtete ihn interessiert. Es war keiner, den sie zuvor getroffen hatte. Dieser sah bedeutend besser aus als die letzten Bewerber. Es hatte ziemlich viele gegeben in letzter Zeit, da Calendula nach altem Recht erst dann Königin werden konnte, wenn sie sich einen königlichen Gemahl nahm. Bis dahin würde der Planet Monos ohne Königin auskommen müssen.
»Gestattet, daß ich eintrete«, sagte der Prinz und küßte ihr die Hand. Sie errötete mädchenhaft. »Ich bin Lord Eliot Lode, und ich fühle mich geehrt, Eure Bekanntschaft zu machen.«
Seine Augen waren von einem unglaublich intensiven Blau, noch blauer als ihre, wie sie mit einem ganz leichten Anflug von Neid feststellte. Dies wurde noch betont durch seine langen, wilden Haare, die in fast dem selben Blauton erstrahlten. Noch nie zuvor hatte Calendula einen Prinzen mit blauen Haaren gesehen. Nur seine Haut war völlig weiß und seine unglaublich geschwungenen Augenbrauen schwarz, alles andere an ihm - sein Hemd, seine Weste, seine Hose und seine Stiefel - war dunkelblau. Er war so schön, daß ihr fast die Tränen kamen.
»Ich komme mit einer großen Bitte an Euch«, fuhr er fort. »Ihr seid die Prinzessin von Monos, und wenn Ihr auch noch nicht Königin seid, so obliegt Euch doch eine große Verantwortung für Euer Volk. Um selbiges zu schützen, fordere ich Euch auf, Euch unverzüglich unter meinen … Schutz zu begeben.«
»Wollen Sie mich damit bitten, Sie zu heiraten?« fragte die Prinzessin, die es bevorzugte, wenn ein Mann sich klar und verständlich ausdrückte.
»Unter Anderem. Was ich Euch eigentlich zu verstehen geben wollte ist, wenn Ihr Euch vernünftig verhaltet, ersparen wir ein unnötiges Blutvergießen, wenn ich die Herrschaft über diesen Planeten übernehme. Werdet meine Frau, und niemandem auf diesem Planeten wird auch nur ein Haar gekrümmt werden.«
»Niemals! Sie können mich nicht zwingen. Und die Herrschaft über Monos werden Sie nie erlangen. Nur über meine Leiche.«
Eliot schüttelte mißbilligend den Kopf.
»Von einer Regentin wie Euch hätte ich mehr Vernunft erwartet. Ihr zwingt mich wirklich dazu, Dinge zu tun, die ich hinterher bereuen könnte. Obwohl das nur rein hypothetisch ist. Bis jetzt habe ich noch nie im Leben etwas bereut.«
»Dann wollen Sie mir also drohen? Sie haben doch nicht einmal eine Waffe! Für wie dumm halten Sie mich eigentlich? Ich brauche nur zu schreien, und schon sind meine Palastwachen hier im Raum, um Euch niederzumachen!«
Der Finstere Eliot Lode brach in ein schurkisches Lachen aus.
»Wenn Ihr das tut, Prinzessin, dann wird nichts aus unserer Heirat. Denn dann sehe ich mich leider genötigt, Euch aus dem Weg zu räumen, und mich selbst zum neuen Herrscher über Monos ausrufen zu lassen. Das hatte ich eigentlich die ganze Zeit im Hinterkopf. Wenn ich es genau überlege, brauche ich eigentlich gar keine Frau. Obwohl ich in Euch eine besonders hübsche gefunden hätte. Noch könnt Ihr es Euch überlegen. Und was meine Bewaffnung betrifft, nun, da muß ich Euch leider mitteilen, daß Ihr Euch getäuscht habt. Dies ist ein Lichtschwert. Dies ist ein Laser. Und dies ist Commander Perkins.«


Lucilla Lode wischte ein Staubkorn von ihrem Ärmel und schob sich die Sonnenbrille zurecht. Vor ihr lag das Universum. Es hatte nur auf sie gewartet.

The End