Kein
Alarm im Weltall
SF-Parodie
von Maja Ilisch
Episode IV
Sieben
Es war jedesmal ein erhebendes Gefühl, R3 zu aktivieren. Es bedeutete, daß
die Eroberung eines Planeten erfolgreich abgelaufen war und nichts mehr
schiefgehen konnte. Sie durften R3 nicht vorher einschalten - das wäre zu
riskant gewesen.
R3 war das letzte Mitglied der United Heros Corporation, und er war der
einzige im Team, der echt war. Alle anderen spielten ihre Rollen nur, selbst
Hans. Aber R3 war wirklich ein bösartiger, verhaltensgestörter Androide. Er
gehörte Commander Perkins. Eliot war der Ansicht gewesen, man könne auch
sehr gut ohne gemeingefährlichen Androiden auskommen, aber Ignatz hatte ihm
klargemacht, daß Commander Perkins ohne seinen Androiden eine unvollständige
Person war. Sie hatten dann versucht, einen schauspielbegabten Androiden zu
bekommen, aber so etwas schien es nicht zu geben. Kein Androide war darauf
programmiert, sich zu verstellen. Und so hatte Lucy, da Ignatz nach wie vor
auf den Roboter bestand, die Persönlichkeit eines Androiden soweit
manipuliert, daß er genau jene Tücken und Schäden aufwies wie der
literarische R3. Denn anders als Eliot verfügte Ignatz nicht über die
Phantasie, sich einen eigenen Schurken auszudenken, oder er wollte es einfach
nicht. Seit ihm in dem Science-Fiction-Roman »Die Neue Republik«*
ein Schurke begegnet war, der genau wie er Perkins hieß (nur mir dem
Unterschied, daß dieser ein Commander war), hatte er seine Einsätze ganz
diesem Schurken angepaßt. Und da der Commander Perkins im Buch einen
verhaltensgestörten Androiden hatte, brauchte Ignatz auch einen. Schließlich
hatten sie in Lucy eine fähige Ingenieurin, die so etwas konstruieren konnte.
Und so wurde R3 geschaffen.
»Meister, ich bin bereit.« Die blecherne Stimme des Androiden klang heiser.
»Sind wir den Hunden entkommen?«
»So kann an es nennen, ja«, sagte Commander Perkins und lachte leise. »Wir
würden doch niemals zulassen, daß uns etwas passiert, nicht war? Von deinem
Schaden natürlich abgesehen. Es hat mich einige Mühe gekostet, dich wieder
in die Gänge zu bekommen. Ich möchte nicht, daß du das vergißt.«
»Nein, Meister. Wo sind wir?«
»Ganz oben. Wir haben einen Planeten erobert; sein Name ist Apura.«
»Sind wir wirklich ganz oben?«
»Über uns steht nur noch Lord Lode.«
Der Androide gab ein mißgestimmtes Knarren von sich, insbesondere, da der
Finstere Eliot gerade in dem Moment den Raum betrat. »Ignatz, hast du -«
Ignatz versuchte zu gestikulieren, ohne von R3 bemerkt zu werden. Wenn der
Androide erfahren hätte, daß sein Meister in Wirklichkeit nicht existierte,
hätte er das Ignatz übel genommen. Sehr übel, sogar.
Jetzt mußte alles nach Plan verlaufen. Aber Ignatz und Eliot waren nicht
umsonst ein eingespieltes Team. Mittlerweile mußten sie sich nicht mehr
absprechen, um zu wissen, was als nächstes zu tun war. Irgendwie waren alle
Planeten gleich.
»Ah, meine treuen Mitarbeiter«, sagte der Finstere Eliot laut. R3 schnarrte
noch einmal mißmutig. »Gratulieren wir uns zu diesem Sieg. Apura gehört uns
ganz allein.« Er lachte sein berühmtes schurkisches Lachen.
»Endlich haben wir Sie gefunden!« rief der blondlockige Mann, der eben in
den Raum gestürzt kam. Er war groß und korpulent, mit rosigem Gesicht und
Schweinsäuglein, und er trug die Uniform der Palastwachen mit mehreren
Abzeichen**. Hinter ihm standen die
restlichen Wachen und salutierten. »Ich bin Corporal Eberhardt von der
ehemaligen königlichen Wache. Meine Männer und ich stehen zu Ihrer Verfügung.«
»Falsch«, sagte Commander Perkins. »Sie stehen zu meiner
Verfügung. Lord Lode ist der Herrscher des Planeten, aber mir untersteht das
Kommando über die Streitkräfte.«
»Mein Lord Lode«, sagte Corporal Eberhardt noch einmal. »Die Wachen stehen
voll und ganz zu Ihrer Verfügung.«
Commander Perkins knirschte mit den Zähnen und setzte Eberhardt ganz oben auf
die Abschußliste. Ein Blick, den er mit R3 austauschte, zeigte, daß der
Androide genauso dachte. Er konnte diese Aufgabe gleich morgen erledigen.
»Ich bin hocherfreut, Sie kennenzulernen«, sagte Eliot. »Vermutlich werde
ich Sie schon sehr bald brauchen können.«
»Natürlich brauchen Sie uns«, sagte Eberhardt, und seine Schweinsäuglein
funkelten vor Begeisterung. »Denn es wird Ihnen niemals allein gelingen -«
»Den Planeten Apura zu kontrollieren?« fragte Eliot und lächelte leicht.
»Apura? Oh nein, das ist nicht nötig. Apura steht voll hinter Ihnen. Ich
meinte die Eroberung des Weltalls.«
»Also, allmählich kommt es mir komisch vor«, murmelte Hans. »Sie hätten
schon längst kommen müssen. Hoffentlich ist nichts schief gelaufen!
Andererseits kann ich mir das irgendwie nicht vorstellen. Eliot und Ignatz
haben zuviel Erfahrung, sie müßten diesen Planeten im Handumdrehen erobert
haben. Aber die Stimmung ist viel zu gut. Die Leute benehmen sich nicht wie
jemand, dessen Planet soeben von einem machthungrigen Spacelord erobert worden
ist. Und niemand kommt, um uns zu engagieren. Wenn ich noch einen von diesen
Cheeseburgern essen muß, wechsle ich meinen Beruf und gehe zur StarVation
Army.«
»Grunz«, sagte Tabaccso der Flokati.
Hanuta fühlte sich schrecklich. Der Gleiter, der sie die letzten Tausend
Meilen mitgenommen hatte, war in erbärmlichen Zustand gewesen und hatte
permanent geschlingert, so als ob auch er sich gegen sie verschworen hatte und
im nächsten Moment auseinanderbrechen wollte. Und die Fahrerin war eine
geschwätzige Bauersfrau gewesen, die nach Fisch und Zwiebeln gerochen hatte.
Uagh!
Was sie eigentlich suchte, wußte Hanuta nicht so genau. Nachdem sie erst
einmal einen größeren Abstand zwischen sich und Schloß Apura gebracht hatte
und man sie nicht mehr einfangen konnte, war sie so ziemlich am Ende ihrer Pläne
gewesen. Sie hatte zwar schon von anderen Prinzessinnen gehört, denen ähnliches
widerfahren war. Aber diese hatten dann immer einen strahlenden Helden
getroffen, der die Schurken verjagte und Recht und Ordnung wieder herstellte.
Die Wirklichkeit sah anders aus. Die Wirklichkeit bestand aus Fisch und
Zwiebeln.
Und nun stand Hanuta mutterseelenallein auf dem Parkplatz einer Star Bar,
einer Art intergalaktischer Raststätte. Wenn sie irgendwo Hilfe finden
konnte, dann hier. Suchend sah Hanuta sich zwischen den Raumschiffen um.
Grellbunte, glitzernde Turbocruiser und Broncobuster standen herum,
gigantische Protzmaschinen und wendige Flitzer. Nichts davon entsprach Hanutas
Vorstellungen von dem Schiff einen Helden. Aber dann entdeckte sie es in der
hintersten Ecke des Parkplatzes. Es war nicht besonders groß und hatte die
Farbe von Rost, vermutlich, weil es über und über mit Rost bedeckt war. Nur
Helden flogen derartige Schrottmaschinen. Hanuta war am Ziel.
»So«, sagte der Alte Iwan. »Am Ziel wären wir. Ein Raumschiff suchen wir,
und ein Raumschiff haben wir gefunden. Viele sogar, ganz viele.«
»Ähe - ja«, sagte Keith. »Ich sehe, daß hier viele Raumschiffe stehen.
Aber das nützt uns noch nichts. Wir brauchen auch jemanden, der sie fliegen
kann.«
»Fliegen kann ich und fliegen werde ich, junger Luchs«, sagte der alte Mann
ernst.
»Master Keith, Sir, das dürfen Sie nicht zulassen!« jammerte H2SO4.
»Wenn er so fliegt, wie er fährt, wird er uns alle in den Untergang treiben!
Alle meine Dioden an der linken Seite schmerzen noch immer von der
Vollbremsung gestern. Ich wurde aus dem Gleiter geschleudert! Was ist, wenn er
mich als nächstes aus einem Raumschiff schleudert? Nicht wahr, NO3,
du würdest dich auch nicht mit ihm
in einen Maschine setzten, oder?«
»Fiep, fiep fiepfiep!« stimmte NO3
ihm aufgebracht zu.
Keith seufzte ließ seinen Blick von den Androiden und dem alten Mann über
den Parkplatz schweifen. Und dann sah er das Mädchen.
Zielstrebig betrat Hanuta die Star Bar und sah sich um. Ihr Blick fiel auf
einen jungen Mann, der lässig an der Wand lehnte und einen Monitor am anderen
Ende des Raumes mit Laserdarts bewarf. Er wirkte ganz wie ein Held, und zwar
einer von der Sorte, der ein halbverrostetes Raumschiff fliegen würde. Hanuta
überlegte kurz, wie sie ihn ansprechen sollte.
»He, du da, Bursche. Mit dem Cowboyhut.«
»Das ist kein Cowboyhut - das ist mein original Pariser Outbackmützchen!«
Was? Er wagte es, eine Prinzessin zurechtzuweisen? Hanuta schnaubte
kurz und ließ ihn stehen. Auf so einen konnte sie verzichten.
Und so entging ihr die Hilfe von Stanniel und seiner Heldengruppe, sowie
Ringo-dem-Roboter, einem phantastischen riesigen Transformer, der jedes
Kinderherz höher schlagen ließ. Statt dessen bekam sie die United Heros
Corporation.
Es wäre auch wirklich schön blöd gewesen, wenn der Auftrag zur Rettung des
Weltalls im entscheidenden Moment an eine andere Firma gegangen wäre, nachdem
sie sich solche Mühe gegeben hatten.
Sie war mit Sicherheit das schönste Mädchen, das Keith je gesehen hatte. Nun
gut, auf der Farm war die Auswahl sowieso gleich null gewesen, aber wozu gab
es Fernsehen? Sie hatte lange blonde Locken (zerzaust) und trug ein Kleid
(zerknittert), das wohl einmal rosa gewesen war, und sie weckte sämtliche
Beschützerinstinkte, die Keith in seinen jungen Jahren besaß. Gerade betrat
sie die Star Bar.
Keith kümmerte sich nicht weiter um den alten Mann und die Androiden. Er stürmte
hinterher. Hier brauchte jemand Hilfe noch dringender als er.
Als sich seine Augen an das Gewühl und die verräucherte Luft in der Bar gewöhnt
hatten und nicht mehr tränten, brauchte er einen Moment, um das Mädchen, das
an diesem Ort so deplaziert wirkte wie nur irgend möglich, wiederzufinden.
Und nun sah er, daß sie Hilfe noch nötiger hatte, als von ihm zunächst
vermutet.
Sie befand sich im Gespräch mit einem Kerl.
Um präzise zu sein, waren es zwei Kerle, aber einer von ihnen war ein nicht
gerade vertrauenerweckender, aber dafür um so haarigerer Alien. Der Kerl
war unrasiert (nun gut, das wäre Keith jetzt auch gewesen, wenn da endlich
etwas anderes sprießen würde als Pickel) und trug einen schäbigen
abgetragenen Cowboyhut. Die Schöne redete völlig arglos mit ihm, so als käme
sie gar nicht auf die Idee, daß dies intergalaktische Mädchenhändler sein
konnten. Jetzt legte der Kerl auch
noch seine Hand auf ihren Arm! Das war zuviel!
»He, laß sie sofort in Ruhe!« schrie Keith und stürmte quer durch die Bar
auf den Wüstling zu. Er würde die Ehre dieses Mädchens retten, und wenn es
bedeutete, unbewaffnet gegen einen Blaster anzutreten.
»Sag mal, hast du einen Hau, Junge?« fragte der Kerl.
»Ich werde nicht zulassen, daß ihr etwas passiert!«
»Du hast einen Hau, Junge«, sagte der Kerl. »Ich bin einer von den Guten, klar?«
»Das kannst du deiner Großmutter erzählen«, fauchte Keith (verdammter
Stimmbruch! Ging die Pubertät denn nie zu Ende?), »falls du sie noch nicht längst
… äh … nun ja, erledigt hast?«
Das Mädchen drehte sich zu ihm um. Vermutlich würde sie sich jetzt für die
mutige Rettung bei ihm bedanken und ihm einen zarten Kuß auf die Lippen
hauchen …
»Master Keith, Sir! Wir haben Ihnen schon tausendmal gesagt, daß Sie nicht
immer davonlaufen sollen! Aber was rede ich schon? Auf einen Androiden hört
ja doch keiner. Obwohl Sie sich bewußt sein sollten, Sir, daß künstliche
Intelligenz der natürlichen bei weitem überlegen ist.«
Zusammen mit H2SO4 hatten auch der Alte Iwan und NO3
den Weg durch die Bar gefunden und umlagerten nun den Tisch des Kerls.
Dieser sah sich verwirrt um.
»Eine Invasion!« sagte er dann.
Der Name des Mannes war Cyrill Dench. Er war dreiundfünfzig Jahre alt, groß,
dürr und von so kränklicher Gesichtsfarbe, als habe er den Großteil seines
Lebens nicht bloß hinter dem Schreibtisch, sondern darunter zugebracht.
Zumindest hatte Ignatz ihn dort gefunden. Wenn es jemals einen Menschen
gegeben hatte, der militärisch ungeeignet war, dann ihn.
»Ich habe ihn zum neuen Lieutenant ernannt«, erklärte Commander Perkins und
lächelte sein unangenehmes Lächeln. »Er wird Ihren Platz einnehmen,
Eberhardt.«
Eberhardts Gesicht durchlief sämtliche Schattierungsstadien zwischen blaßblau
und aubergine. »Nein«, sagte er dann, mühsam beherrscht. »Das steht Ihnen
nicht zu.«
»Und ob mir das zusteht«, sagte Perkins. »Als Oberbefehlshaber der Streitkräfte
habe ich feststellen müssen, daß Sie für Ihr Amt vollkommen unqualifiziert
waren.«
»Das werde ich nicht dulden!« brüllte Eberhardt, der soeben zum zweiten Mal
aubergine erreicht hatte, und schlug mit der Faust auf den Tisch, so daß
einige Zettel herunterstoben und Lieutenant Dench angstvoll zusammenzuckte.
»Was ist? Wollen Sie bei Lord Lode Beschwerde über mich einreichen? Unterschätzen
Sie nicht meinen Einfluß, Mann! Sie sind gefeuert!« Mit den letzten Worten
bewies der Commander, daß auch er in der Lage, sein Stimme laut werden zu
lassen. Er schlug Ex-Corporal Eberhardt um mehrere Dezibel, wurde aber sofort
wieder leise. »Sind Sie immer noch davon überzeugt, daß Sie es nicht dulden
werden?«
Er warf R3 einen kleinen, aber um so auffälligeren Blick zu. Der schwarz
eloxierte Androide rollte schnarrend in den Vordergrund.
»Soll ich ihn jetzt liquidieren, Meister?«
Commander Perkins antwortete nicht, sondern lächelte Eberhardt ruhig an.
Dessen Schweinsäuglein hatten sich geweitet, und deutliche Schweißtropfen
bildeten sich auf der Stirn des ehemaligen Hauptmanns. Dann lachte er
hysterisch auf.
»Ihr Roboter darf mir gar nichts tun! Gemäß den Asimov’schen Gesetzen dürfen
Androiden niemanden töten!«
»Bitte, wie Sie wünschen. Wir werden also darauf achten, daß Sie am Leben
bleiben, während R3 Sie Stück für Stück auseinandernimmt. Und im Übrigen
… das einzige Gesetz, das auf diesem Planeten heute gilt, ist das des
Finsteren Eliot. Stecken Sie sich Ihren Eisenmuff an den Hut!«
Mit zitternden Fingern riß sich Eberhardt die Abzeichen von der Uniform, warf
sie auf den Boden und verließ fluchtartig den Raum.
»Soll ich ihm folgen?« fragte R3. »Reißen und beißen? Metzeln und
schnetzeln?«
»Heute nicht«, sagte der Commander. »Lord Lode hat einen gnädigen Tag.«
»Ich nicht«, schnarrte der Androide und rollte fort.
Ignatz sah ihm beunruhigt nach. Zum Glück hatte Eberhardt schon ausreichend
Vorsprung, und mit seinen diversen Schäden war R3 nicht gerade schnell. Bis
jetzt hatte er noch nie einen Menschen ernsthaft verletzt. Es war wichtig, daß
Eberhardt aus dem Rennen gezogen wurde. Er bestand darauf, das Universum zu
erobern! Ignatz hatte ein ungutes Gefühl, was Apura anging. Möglicherweise wäre
es das beste, auf das Geld zu verzichten und so schnell wie möglich den
Planeten zu verlassen. Die Leute hier verhielten sich durch die Bank
untypisch. Aber jetzt hatte er den unfähigen Lieutenant Dench, der es ihm
leicht machen würde. Eberhardts Bedrohung hatte sicher auch ihn eingeschüchtert.
»So«, sagte Commander Perkins zu seinem neuen Hauptmann. »Haben Sie
irgendwelche … Verbesserungsvorschläge?«
»Sir, ich habe bis dato immer die Reden geschrieben, die von den Mitgliedern
des Hofstaates und der Prinzessin gehalten wurden, und stelle Ihnen diese Fähigkeit
gerne zur Verfügung.«
»Schweigen Sie!« schrie der Commander. »Wollen Sie mich beleidigen, Sie
Kretin? Ich bin der offizielle Redenschreiber für Lord Lode. Ich stamme vom
Planeten Lingor. Mein Volk hat eine angeborene Rednergabe! Die Lingorianer
sind berühmt dafür, falls Sie es nicht wissen! Das einzige, für das der
Planet Apura berühmt ist … ist seine Jauche!«
Dench tauchte hinter der Säule vorsichtig wieder auf. Er hatte schnell
erkannt, daß man gut daran tat, vor dem unberechenbaren Commander in Deckung
zu gehen.
»Ja, Sir. Entschuldigen Sie bitte vielmals, Sir. Es soll nicht wieder
vorkommen, Sir. Aber wenn ich Ihnen noch etwas anbieten dürfte,
Sir ...«
»Was ist denn? Sprechen Sie schon!« Commander Perkins konnte Kriecher und
Schleimer nicht ausstehen.
»Nun, Sir, wissen Sie, Sir, ich habe da diese Strategie entwickelt - Sie
wissen schon, wegen Ihrer Eroberung des Universums.«
Na bitte. Man mußte nur lang genug in einer Star Bar ausharren, und schon
kamen Vertreter des geknechteten Volkes und baten um Hilfe. Aber bis jetzt
waren noch nie so viele auf einmal gekommen. Um ein Haar hätte Hans sich an
seinem Spamburger verschluckt. Lucy grunzte leise unter ihrem Kostüm.
Wer das Mädchen war, wußten sie natürlich beide. Dafür hatten sie genug
Fotos von Prinzessin Hanuta in ihren Unterlagen gehabt. Und das andere waren
vermutlich diejenigen, die bei dem üblichen Überfall auf die Farm entkommen
konnte. Eliot und Ignatz achteten immer darauf, ein paar verwirrte Bewohner
zurückzulassen - sonst hätte ja niemand von dem Überfall gewußt. Und wenn
sie alle mitgenommen hätten, wäre es in Eliots Besenkammer vermutlich auch
etwas eng geworden.
Aber daß jetzt gleich alle auf einmal aufkreuzten … das war schon fast
zuviel des Guten.
»Ich brauche Ihre Hilfe«, sagte die Prinzessin. »Ihnen gehört doch diese
Schrottkiste da draußen, oder?«
»Die Freezer ist keine Schrottkiste! Sie macht mehr Gigameilen in einer
Sekunde, als Sie in ihrem ganzen Leben, Miss!« Immer ruppig sein zu
Prinzessinnen. Sonst vertrauten sie einem nicht.
»Das ist doch -« brauste die Prinzessin auf, und auch der Jüngling rief
etwas ziemlich Ungehaltenes. Dann aber brach sie ab. Schließlich wollte sie
seine Hilfe. »Okay. Ich weiß zwar nicht, ob Ihre Kiste das überhaupt
mitmachen wird, aber etwas besseres als Sie kann ich mir nicht leisten. Retten
Sie diesen Planeten!«
Bingo!
* Monica M. Höfkes’
Roman »Die Neue Republik«, eine unautorisierte Star-Wars-Fortsetzung,
hatte unverdienterweise in den letzten Jahrzehnten seinen Klassikerstatus
verloren, so daß nicht die Gefahr bestand, daß irgend jemand Commander
Perkins und R3 auf ihre literarische Vergangenheit ansprechen würde.
Obwohl es interessant ist, sich vorzustellen, wie sie darauf reagiert hätten.
**
Das ist beim besten Willen keine Anspielung auf Thomas Stearns!