Kein Alarm im Weltall

SF-Parodie
von Maja Ilisch

Episode V

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Sechs


Eliot war gerade erst aufgestanden (das Bett der Prinzessin war aber auch wirklich bequem), als Ignatz ins Zimmer trat. Er warf panische Blicke um sich und zog schnell die Tür wieder hinter sich zu.
»Eliot, ich glaube, wir sitzen da ganz schön tief in der Tinte.«
»Wieso?« fragte er. »Es läuft doch alles bestens.« Dann sah er seinen Freund erstaunt genauer an. Ignatz hatte dunkle Ringe unter den Augen, so als habe er in der Nacht nicht geschlafen, und seine ganze Körperhaltung wirkte nervös und verkrampft. Eliot erschrak leicht über diesen Anblick, aber er behielt seinen munteren Tonfall bei. »He, mit wem spreche ich eigentlich gerade? Bist du jetzt Ignatz oder Commander Perkins?«
»Ich bin Ignatz, und ich bin immer Ignatz gewesen. Die Frage ist nur - wer bist du? Seit du gemerkt hast, wie sehr das Volk Eliot Lode liebt, bist du voll in deiner Rolle aufgegangen. Merkst du denn gar nicht, in welcher Gefahr wir sind?«
»Mir scheint, du hast den Verfolgungswahn des Commanders übernommen. Wir sind nicht in Gefahr. Niemand läßt unsere Verkleidung auffliegen. Wie du schon sagtest - das Volk liebt mich - ich meine den Finsteren Eliot Lode.«
»Das ist es, was ich meine. Dieses Volk hat nur auf dich gewartet. Sie werden dich nicht mehr gehen lassen wollen. Es haben sich nicht einmal die üblichen Widerstandsvereine gebildet. Mich hassen sie natürlich, wie es sich gehört. Eliot, das Ganze gerät außer Kontrolle! Laß uns abhauen, solange wir noch können!«
Eliot lachte nur. »Da machst du dir zu große Sorgen. Du nimmst immer alles so ernst. Schau, es soll uns doch Spaß machen! Es ist ein Spiel. Wir werden verlieren, und dann fangen wir wieder von vorne an.«
»Du verstehst es wirklich nicht«, sagte Ignatz resigniert und ging. Vor der Tür drehte er sich noch einmal um. »Wann wirst du endlich aufwachen, Eliot? Wir sind nicht mehr auf Kansas.« 


»Ist Ihnen klar, Miss, was für einen Aufwand sie da von mir erwarten? Meine Zeit wächst nicht auf Bäumen, und über die Spritkosten muß ich wohl auch kein Wort verlieren, oder?«  
Der Kerl schien nicht daran interessiert zu sein, dem armen Mädchen zu helfen. Gut, daß auch noch Keith da war! Jetzt, wo er direkt in ihren Nähe stand, fühlte er sich erst recht zu der blonden Schönheit hingezogen. Er hatte das Gefühl, als kenne er sie schon ein ganzes Leben lang, und ein magisches Band hielte ihre Seelen zusammen.
»Nun hören Sie mir mal gut zu!« fauchte die Schöne den Kerl an. »Ich befehle Ihnen, diesen Planeten zu retten, und Sie können sich mir nicht widersetzen, denn ich bin Prinzessin Hanuta, die rechtmäßige Herrscherin über diesen Planeten.«  
Der Rest ging unter in dem langen lauten Schrei, der nun aus Keith’ Lippen drang. »Nnnnnnneeeeeiiiiiinnnnn!«
Das durfte doch nicht wahr sein! Doch - es mußte wahr sein. Niemand anderes als eine Prinzessin wäre zu derartiger Schönheit fähig gewesen. Den Kerl schien diese Mitteilung allerdings kalt zu lassen.
»Hochwohlgeborene Hochwohlgeborenheit, Sie können Prinzessin von so vielen Planeten sein, wie sie wollen - ich gehöre zu keinem davon. Mein Name ist Hans Olo, und ich bin hier nur auf der Durchreise. Ich habe noch wichtige Geschäfte zu erledigen.«
»Was für Geschäfte können das schon sein, für die man eine derartige Rostlaube fliegen muß? Wenn Sie mich fragen, sind Sie nichts weiter als ein gewöhnlicher Schmuggler. Aber eins sage ich Ihnen, Olo - wenn wir diesem Planeten nicht so schnell retten, wie es nur irgend möglich ist, dann kann hier bald niemand mehr Geschäfte machen! Dann werden Sie selbst unter Ihrer heutigen Feigheit zu leiden haben. Retten Sie diesen Planeten - um Ihrer selbst willen!«  
»Das war eine sehr interessante Rede«, flüsterte Lucy unter ihrer Maske Hans zu. »Ob sie wohl Verwandte auf dem Planeten Lingor hat?« Für alle Uneingeweihten klang es nur wie ein dumpfes Grunzen.  
»OK«, sagte Hans. »Ich bin kein Unmensch, sofern ich gut bezahlt werde. Gehen wir nach draußen und besprechen wir die Sache. Hier drinnen gibt es mir zu viele Ohren.«  
Womit er zweifelsohne Recht hatte, denn zu den Besuchern der Star Bar zählte auch eine Reisegruppe von Staïsianern, deren Anatomie noch heute viele Fragen aufwirft.  
»Mein Raumschiff ist die Steaming Freezer«, fuhr er fort. »Dies ist mein Kopilot, Tabaccso. Er kann zwar unsere Sprache nicht sprechen, aber er versteht jedes Wort, das im Umkreis von vierhundert Metern gesprochen wird. Ich warne euch also davor, jedwede Äußerungen über ihn abzugeben. Flokatis sind sehr leicht reizbar. Kommen Sie, Durchlauchtigste. Das gleiche gilt für dich, Milchbart. Du darfst sogar von mir aus deine Freunde mitbringen.«  
Keith folgte ihm nicht sofort, sondern fing erst den Alten Iwan ab, um mit ihm die Lage zu besprechen. »War halten Sie von ihm, Sir?«  
»Er hat eine Söldnerseele, aber eine Seele hat er, junger Luchs«, murmelte der Alte. »Du tust gut daran, ihm zu trauen, gut tust du daran, tust du. Er wird dich hinführen zu deinem großen Kampf.«  
Keith hörte jetzt genau auf das, was der alte Mann sagte. Er gewann langsam den Eindruck, daß er weitaus mehr wußte, als er vorgab. Warum nur nannte er ihn immer ‘Junger Luchs’? Und was wußte er über das Verschwinden von Keith’ Vater? Und nun die Andeutungen über einen großen Kampf … Der Alte Iwan war nicht, was er vorgab. Für die übrige Welt mochte er zwar wirken wie ein seniler Greis, aber Keith war fest entschlossen, das Geheimnis zu lüften - und damit auch etwas über sich selbst zu erfahren.  


Mit einiger Anstrengung gelang es Lucy, aus dem entgeisterten Aufschrei ein entgeistertes Aufgrunzen zu machen. Hans sagte nichts, sondern versuchte nur, seine davondriftende Kinnlade wieder in den Griff zu bekommen. Schließlich brachte er ein »Wiettibib?«* hervor.  
»Gemeinsam werden wir diesem machthungrigen Spacelord das Handwerk legen!« wiederholte der pickelige Junge mit pathetischer Stimme und einem irgendwie fanatischen Funkeln in den Augen. Dieses hatte er, nachdem zum ersten Mal der Name ‘Eliot Lode’ gefallen war. Der Greis nickte zustimmend.  
»Das geht nicht«, ächzte Hans, der sich endlich wieder genug gefangen hatte, um zumindest die korrekte Reihenfolge der Buchstaben einzuhalten. »Wir können euch nicht in Gefahr bringen. Mein Partner und ich erledigen das schon.«  
»Oh nein!« rief nun Hanuta. »Als Prinzessin von Apura ist es meine Pflicht, daß ich mein Volk selbst befreie. Und wer sagt mir nicht, daß Sie nicht den Vorschuß einstreichen und sich damit aus dem Staub machen?«  
Von allen Prinzessinnen, die Lucy jemals begegnet waren, war dies die mit Abstand unsympathischste. Und diese Blicke, mit denen sie Hans taxierte, waren wirklich das Hinterletzte! Nicht, daß Lucy eifersüchtig, gewesen wäre, ganz bestimmt nicht. Dieses kuhäugige Wesen hatte keinen Neid verdient. Aber wenn sie weiterhin mit dieser affektierten hohen Stimme sprach, würde Lucy ihr früher oder später den Hals umdrehen. Flokatis waren nun einmal leicht zu reizen. Schade, daß nicht jeder so leicht ruhigzustellen war wie dieser kleine Androide! Als er in einen aus stakkatoartigen Pieptönen bestehenden Monolog ausgebrochen war, hatte Lucy … äh, Tabaccso ihm einen gezielten Schlag auf den Deckel gegeben, auf genau jene Stelle, die seine Schaltkreise für einige Minuten lahmlegte. Mit diesem Modell kannte sich Lucy ziemlich genau aus, seit sie einmal einen besessen hatte. Artur war ein nettes Kerlchen gewesen, nur leider extrem halsstarrig. Leichte Schläge auf den Hinterkopf halfen immer.  
Der Greis murmelte einige Worte, von denen eigentlich nur »Plattmachen« einwandfrei zu identifizieren war. Offensichtlich litt er an der Alsmannschen Krankheit und wäre in einer Anstalt am besten untergebracht gewesen. Vielleicht konnten sie sich darum kümmern, bevor sie Eliot absetzten. »Ein Team sind wir«, fügte er verständlicher hinzu, »und als Team werden wir kämpfen.«  
»Ihr stellt euch das ja sehr einfach vor«, bemerkte Hans, der endlich zu seiner alten Form zurückgefunden hatte. »Was glaubt ihr, was wir tun sollen? In den Palast eindringen, und was dann? Pfft! - Commander Perkins, Pfft! Eliot Lode?« Er schlug dramatisch mit weitausholenden Bewegungen nach beiden Seiten. »So leicht geht das nicht. Man braucht dafür spezielle Fähigkeiten, die ihr nicht habt. Und ich kann nicht zulassen, daß Sie sich verletzten, Oberhochwohldurchlauchtigste.«  
»Grunz«, sagte Tabaccso der Flokati. Es wurde langsam Zeit, daß sie wieder einmal einen Kommentar abgab. Irgendwie mußte sie sich schließlich bemerkbar machen.  
»Sir, was die Fähigkeiten angeht, so glaube ich nicht, daß irgend jemand von Ihnen es mit einem vollprogrammierten Verwaltungsandroiden aufnehmen kann, wenn mir diese Bemerkung gestattet ist.« Sie würde irgend etwas gegen den anderen Androiden unternehmen müssen. Er versprach noch sehr viel lästiger zu werden als der andere. Zum Glück kannte sie sich auch mit diesem Typen gut aus. Er war das gleiche Modell wie der, aus dem sie seinerzeit R3 für Ignatz gebaut hatte.  
Vor allem würde sie schnell  etwas unternehmen müssen! Denn mit dem, was er jetzt tat, konnte er ihr ernsthaft gefährlich werden: Das goldige Kerlchen drehte sich zu ihr um und sagte wohlartikuliert: »Hrnk-urgkg agrkuk grkgrk?« Zumindest klang es so. Was immer er damit sagen wollte - er schien davon auszugehen, daß er die Sprache der Flokatis beherrschte. Lucy wäre niemals auf die Idee gekommen, daß es tatsächlich ein Volk dieses Namens geben könnte. Diese SO4-Einheit konnte sie alle auffliegen lassen, wenn sich herausstellte, daß er angebliche Yeti-Ritter gar nicht echt war. Da half nur eins: Die Flucht nach vorne und die Hoffnung, daß Hans sie da rausholen würde.  
»GRUNZ!« sagte Tabaccso der Flokati und ließ seine haarige Faust auf den Kopf des Androiden niedersausen. Das beschädigte ihn zwar nicht in dem Maße wie seinen kleinen Freund (SO4-Eineiten waren sehr widerstandsfähig), aber es war doch eine deutliche Antwort. SO4 drehte sich mit verwirrte Miene (soweit ein Androide über Mienenspiel verfügte) zu Hans um.  
»Habe ich etwas Falsches gesagt?«  
Hans rettete die Situation. Der Weitgehend Einsame Streiter grinste von einem Ohr zum anderen. »So, wie du es ausgesprochen hast, war es eine Aufforderung zum Paarungsakt. Vielleicht solltest du noch ein wenig an deinem Akzent feilen?«  
SO4 korrodierte verlegen und machte beschwichtigende Gesten in Tabaccsos Richtung. So schnell würde er nicht noch einmal versuchen, Flokati-Dialekt zu sprechen.  


Ignatz machte sich Sorgen über so ziemlich alles. Der einzige, um den sich Eliot im Moment wirklich Sorgen machte, war Ignatz. Und er hatte auch allen Grund dazu. Nachdem er mit R3 einen kleinen Kampf ausgefochten hatte, um überhaupt in das Zimmer des Commanders gelassen zu werden, kam er gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, wie dieser einen Infuser an seinen Hals ansetze. Mit einem Satz quer durch den Raum, den er ohne seine trainierten Stunt-Fähigkeiten sicher nicht fertiggebracht hätte, war Eliot bei ihm, und es gelang ihm im letzten Moment, Ignatz das Gerät abzunehmen.  
»Sag mal, hast du den Verstand verloren?« schrie er, ganz gleich, ob ihn irgend jemand im Schloß hören konnte. Wer seinen besten Freund mit obskuren Giftspritzen findet, dem ist der Rest egal.  
»Gibst du mir das bitte wieder?« fragte Ignatz ruhig - zu ruhig, fand Eliot. Vielleicht war er doch nicht mehr rechtzeitig gekommen.  
»Es ist wohl das Beste, wenn du Apura so schnell wie möglich verläßt und zusiehst, daß du Hans und Lucy erreichst. Die Sache hier ist dir über den Kopf gewachsen«, sagte Eliot so verständnisvoll wie möglich. Ihn jetzt anzuschreien, war sicher das Falsche. Gerne hätte er noch hinzugefügt: ‘Und sieh zu, daß du dich in ärztliche Behandlung begibst’, aber das ließ er dann doch lieber. Niemand durfte derartige Sachen zu Commander Perkins sagen, und Eliot hatte das ungute Gefühl, aß Ignatz endgültig mit dieser Rolle verschmolzen war. Allerdings hatte auch der Commander niemals Drogen genommen. Eliot faßte Ignatz bei der Schulter und schüttelte ihn freundschaftlich. »Sag mal, was ist bloß los mit dir?«  
»Ach, hast du auch schon gemerkt, daß etwas nicht stimmt?« fragte Ignatz beißend. »Lach bitte nicht, aber diverse Leute planen meinen Tod - diesmal wirklich. Wenn du Namen willst: So ziemlich jedes Mitglied deiner Prätorianergarde ist daran beteiligt. Kann ich jetzt bitte meinen Infuser wiederhaben?«  
»Was ist da drin?« fragte Eliot argwöhnisch. Vielleicht hätte er das sofort tun sollen, bevor er einen Streit vom Zaun brach. Ärger mit dem Commander konnte sehr ärgerlich werden. Vor allem, da jetzt auch noch R3 mit im Zimmer war. Hoffentlich hatte er die Bemerkung mit Hans und Lucy nicht gehört oder zumindest nicht verstanden!  
»Neutralizer. Ich hätte nie gedacht, daß ich ihn tatsächlich einmal nehmen müßte. Eine intelligente Chemikalie, die erkennt, welche Substanzen nicht in den menschlichen Körper gehören. Oder in den lingorianischen«, fügte er schnell hinzu, bevor er sich verraten hätte. »R3, hatte ich dir nicht aufgetragen, Dench zu beschatten? Wenn er mir zu nahe kommt, werde ich dir die Schuld dafür geben.«  
Der Androide zuckte zusammen und gab dabei einige äußerst ungesunden Kratzlaute von sich. Ignatz und Hans atmeten unisono auf, als er aus dem Zimmer gerollt war.  
»So, jetzt können wir reden. Dieser Stoff identifiziert alles, was mir gefährlich werden könnte, macht es unschädlich und sorgt dafür, daß der Körper es ausscheidet. Da sie vermutlich vorhaben, mich zu vergiften, sollte ich besser gerüstet sein, bevor sie damit anfangen.« Er tastete nach seiner Arterie, setzte den Infuser wieder an und drückte den kleinen blauen Knopf. Einem Moment lang verzog er das Gesicht.  
»Und dieses Wundermittel hat keinerlei Nebenwirkungen?« fragte Eliot, immer noch besorgt. »Was ist, wenn es süchtig macht?«
Ignatz lachte, obwohl seine Stimmung eigentlich in die entgegengesetzte Richtung ging. »Das ist das eigentlich Geniale daran. Darum hat der Entwickler** auch den Hensson-Preis bekommen. Sobald der Neutralizer gefährlich würde, identifiziert er sich selbst als Schadstoff und sorgt dafür, daß er ausgeschieden wird. Ansonsten reagiert er nicht mit dem Körper. Eine Dosis reicht ungefähr einen Tag lang. Es gibt ihn auch in Kapseln zum Schlucken, aber dann ist er weniger effektiv.«  
»Und meine Wachen wollen dich tatsächlich umbringen?« Ignatz nickte. »Dann bestehe ich darauf, daß du Apura sofort verläßt. Ich lasse nicht zu, daß du dich in Gefahr bringst.«  
»Würdest du mitkommen?« fragte Ignatz.  
»Natürlich nicht!« Eliot konnte nicht umhin, zu lachen. »Mich will doch schließlich niemand ermorden. Außerdem kann es nicht mehr lange dauern bis zum Showdown. Ich habe eine Nachricht von Lucy bekommen. So lange halte ich das noch aus. Aber du solltest dich in Sicherheit bringen.«  
Wenn Ignatz Recht hatte mit seinem Verfolgungswahn, dann mußte er so schnell wie möglich verschwinden. Und wenn er sich doch nur alles jetzt wirklich einbildete (und nicht mehr nur so tat, als ob), dann brauchte er sowieso Luftveränderung.  
»Dann bleibe ich«, entgegnete Ignatz ruhig und packte den Infuser wieder ein. »Darauf kannst du Gift nehmen - ich lasse dich nicht auf Apura alleine. Wenn ich nicht mehr da bin - wer sollte dich vor deinen Wachen beschützen? Du wirst es mir nicht glauben, aber du bist im Moment derjenige von uns, der den anderen nötig hat.«  
»Wie meinst du das?«  
»Ich halte dich auf dem Boden der Tatsachen. Ohne mich hättest du schon längst Gefallen an der Idee gefunden, das Weltall zu erobern. Du nimmst viel zu wenig wirklich ernst. Und plötzlich wärst du Herrscher über das Universum und würdest erkennen, daß es kein Zurück gibt. Ich werde niemals so wie Commander Perkins, weil ich weiß, daß er eine miese kleine Ratte bist. Aber du genießt jeden einzelnen Zug von Eliot Lode.«  
Die Worte »Miese kleine Ratte!« lagen schon auf Eliots Lippen. Aber er sprach sie nicht aus. Er wollte keinen Streit mit Ignatz, der verständlicherweise angespannt und nervös war und vermutlich deswegen so beleidigend wurde. So klopfte er ihm nur noch einmal auf die Schulter und ging.  
Vor der Tür stand R3.  


Keith konnte nicht direkt behaupten, daß er seine neue Uniform schön fand. Natürlich hätte er es niemals ausgesprochen, aber sie sah aus, als ob Olo sie auf dem Wohltätigkeitsbasar der Müllabfuhr erstanden hätte - niemand konnte diese grelle Orange als kleidsam bezeichnen, und wenn er damit herumlief, kam Keith sich jedesmal vor wie ein extrem farbenprächtiger Lockvogel, der die Aufmerksamkeit der Feinde auf sich lenken sollte***. Trotzdem erfüllte es ihn mit Stolz, die Uniform zu tragen. Wenn er eines Tages auf die Akademie ging (so sie ihn aufnahmen), würde er etwas Ähnliches anhaben. Nur nicht unbedingt in Orange. Es gab so ein Gefühl des Dazugehörens, der Einheit. Hanuta trug den gleichen Overall wie er, auch wenn sie darin sehr viel vorteilhafter aussah. Ein so schönes Mädchen wie sie würde sogar noch vorteilhaft aussehen, wenn sie nackt wäre. Aber allein schon der Gedanke … ein Bauernbursche und eine Prinzessin, innig und ewig vereint durch eine gemeinsame Uniform … Was störte es da schon, daß sie ihn weitgehend ignorierte? Er würde ihr schon noch beweisen, was wirklich in ihm steckte. Allmählich erkannte er, was seine Aufgabe war und welchen Kampf er ausfechten mußte. Die Erkenntnis, die ihm langsam kam, schmerzte. Aber er mußte der Wahrheit ins Auge sehen und sich ihr stellen.  
Für alle Zeiten in sein Gedächtnis eingebrannt hatte sich jener Moment, als der alte Iwan seine Tasche öffnete, von der Keith bis dahin immer wegen ihrer langen, schmalen Form angenommen hatte, sie enthielte Golfschläger (bei Iwan konnte ihn da gar nichts mehr wundern) und etwas vollkommen anderes herausholte. Keith erkannte sofort, was es war. Die Helden in den Science-Fiction-Serien im Fernsehen kämpften immer mit so etwas. Im Geheimen hatte er sich immer gewünscht, eines Tages eine derartige Waffe in der Hand zu halten. Und nun gehörte sie ihm.  
Sir Iwain (Keith hatte jetzt endlich begriffen, warum sich sein Meister all die Jahre über verstellt hatte und für alle Welt nur als schwachsinniger Greis erschienen war) ging sehr behutsam vor, sowohl, was die Aufdeckung der Wahrheit betraf, als auch in Hinblick auf Keith’ Ausbildung. Große Kräfte schlummerten in dem Jungen, sagte er (in der Tat drückte er es aus wie »Kräfte schlummern in die, Junger Luchs, große Kräfte, große!«), und nun lernte er, wie er damit umgehen konnte. Auch wenn Olo natürlich jeglicher Sinn dafür abging.  
»Ein Gummiball an einer Schnur? Und du schlägst danach mit einer Leuchtstoffröhre? Bist du in irgendeinem abartigen apurianischen Sportverein, oder was?« fragte er.  
Keith biß die Zähne zusammen, ignorierte ihn und konzentrierte sich ganz auf seine Übung.  
»Ein Lichtschwert ist das, ein Lichtschwert!« erklärte Sir Iwain. Es war unter seiner Würde gewesen, diese Uniform zu tragen, so daß er jetzt immer noch in seinem alten Bademantel herumlief. Aus Gründen der Einheitlichkeit war er jedoch bereit gewesen, ihn mit einem orangenen Gürtel zusammenzubinden.  
Wenn er sich besonders stark konzentrierte, konnte Keith den Ball mit seinem Lichtschwert sogar dann treffen, wenn er die Augen schloß.  
Es war eigentlich nicht einmal schwer. In dem Ball war ein kleines Glöckchen, und wenn er ein paarmal kräftig auf den Boden stampfte, konnte er es**** zum Klingeln bringen. Dann wußte er, wohin er schlagen mußte.  
»Jetzt bist du immerhin gewappnet für Gegner, die einen rund sind und Durchmesser von zehn Zentimetern haben«, war alles, was Olo dazu sagte, von dem Alien mit einem unverständlichen Grunzen kommentiert. NO3 fiepte verärgert - er schien es nicht zu mögen, wenn jemand seinen Herrn verspottete. Und da der Flokati (»Sag ihm bloß nicht, daß dein Bettvorleger genauso aussieht, wenn du deine Ohren behalten willst!« - »Aber er sieht aus wie mein Bettvorleger!« - »Hast du dich noch nie gefragt, woraus sie hergestellt werden?«) gerade dabei war, das Raumschiff zu navigieren, konnte er ihn auch nicht wieder schlagen. Keith überlegte jedesmal, ob er dazwischengehen sollte, denn damit konnte dieser grobe Klotz seine Androiden wirklich kaputtmachen. Aber selbst wenn Keith jetzt wußte, warum man ihn ‘Junger Luchs’ nannte und er bereit war, gegen den Finsteren Eliot Lode anzutreten, wollte er dieses bärenstarke, haarige Wesen um nichts in der Welt zum Feind haben.  


* intergalaktisch allgemeingültiges verwirrtes Anagramm von »Wie bitte?«

** ein gewisser Humphrey Dendecker

*** In der Tat hatte Lucy genau diesen Effekt in Hinterkopf gehabt, als sie drei Uniformen in passender Größe auf dem Wohltätigkeitsbasar der Müllabfuhr erstand. 

**** und den Rest der Steaming Freezer

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