Kein Alarm im Weltall

SF-Parodie
von Maja Ilisch

Episode VIII

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Drei


Erst, als er hinter dem Steuerknüppel des Shuttles saß und langsam abhob, merkte Ignatz, was er getan hatte. Er hatte R3 zerstört, der seine eigene Schöpfung gewesen war, selbst wenn Lucy ihn konstruiert hatte. Bei aller Bosheit (für die er ja eigentlich nichts konnte) war der Androide irgendwie trotzdem ein Teil von ihm gewesen.
Ignatz Augen füllten sich mit Tränen. Und das war nicht nur, weil ihm beide Schultern immer noch weh taten.


»Mein Lord Lode! Sind Sie unverletzt!« rief Corporal Eberhardt, als er zusammen mit Dench und den anderen Wachen den Gang hinunter eilte. Eberhardt? War der nicht schon längst aus der Handlung verschwunden? In der Tat. Aber nun kehrte er zurück.


Lucy verschwand eilig auf der Toilette. Der kleine Sender an ihrem Handgelenk piepste, worauf sie schon den ganzen Vormittag gewartet hatte. Es wurde Zeit, daß Ignatz und Eliot sich meldeten, nachdem der Showdown so gründlich verpatzt worden war. Sie schob den haarigen Handschuh zurück und drückte auf den kleinen Knopf, damit die Nachricht ablaufen konnte. Fassungslos blickte sie auf die Buchstaben, die in dem kleinen Sichtfenster vorbeiliefen.
BIN GEFLOHEN. ERKLÄRE EUCH ALLES SPÄTER. SCHICKT MIR EURE KOORDINATEN. IGNATZ.
Lucy tat das, was sie schon seit mehreren Stunden vorgehabt hatte: Sie fluchte.


Das Andockmanöver auf der Unterseite der Steaming Freezer gelang Ignatz nur mit einigem Glück. Im Unterschied zu Eisen ist Rost nämlich leider nicht magnetisch, und so mußte der geflohene Commander vier verschiedene Stellen ausprobieren, bis sein Shuttle endlich am Bauch der Freezer haftete wie ein Egel am Wadenbein … nur daß es selbstverständlich nicht versuchte, das größere Schiff auszusagen. Da wäre nicht viel zu holen gewesen.
Hans und Lucy hatten dafür gesorgt, daß die hintere Frachtluke nicht verschlossen war, aber bis er dort ankam, vergingen für Ignatz atemlose Sekunden. Im wahrsten Sinne des Wortes: Er hatte bei seiner Fluchtplanung an alles gedacht, nur nicht daran, den Zustand der Sauerstoffflasche zu überprüfen. Beim letzten Einsatz war sie noch so gut wie voll gewesen, aber entweder hatten in der Zwischenzeit Unbefugte Spritztouren mit seinem Shuttle unternommen, oder Eberhardt, Dench und Konsorten waren ausnahmsweise einmal einfallsreich gewesen, was einen Sabotageversuch anging. Aber spätestens bei dem Showdown im Müllschluckerschacht hatte Ignatz gelernt, sehr, sehr lange die Luft anzuhalten, und so gelang es ihm noch mit letzter Kraft, die Luke wieder zuzuziehen, bevor er sich den Helm vom Kopf riß.
Beim nächsten Mal würden sie ein Treffen auf dem Parkplatz einer Star Bar vereinbaren, soviel war sicher. Ignatz sah wenig Sinn in gewagten Stunts, wenn es weder Publikum noch Kameras gab.
Im dem Moment öffnete sich die andere Tür der Luftschleuse, und Hans und Lucy kamen herein.
»Ignatz!« rief Hans. »Du bist in Sicherheit?«
Ignatz nickte, immer noch atemlos. »Aber Eliot nicht«, brachte er schließlich hervor. »Wir müssen ihn da irgendwie rausholen! Ich weiß nicht, was sie sonst mit ihm machen!«
»Die Frage ist aber auch«, sagte Hans nachdenklich, »was unsere Heldengruppe mit dir macht, wenn sie dich hier findet.«
»Ich habe auf Autopilot gestellt«, erklärte Lucy. »Aber schnell! Die Irren dürfen nichts hiervon mitbekommen.« Sie begann sich hastig aus dem Kostüm zu winden. »Zieh das hier an! Ich übernehme Eliot!«
Ignatz wunderte sich nicht, wie unüberlegt sie sich auf diesem wirklich schweren Auftrag stürzte. Es war für sie die schnellste Möglichkeit, die Rolle des Tabaccso loszuwerden. Aber die Idee war gut. Endlich würde er ein wenig ausruhen können. Ab und zu undeutlich grunzen und inständig hoffen, daß die Freezer nicht wieder kaputt ging, denn dann stünde er vor einem ernsthaften Problem, im Vergleich zu dem Apura ein Wochendendausflug war.
»Aber du mußt dich verkleiden!« sagte Hans besorgt. »Und sieh zu, daß dir nichts passiert!«
»Ach«, sagte Lucy, und ihre Augen glänzten voller Erwartungsfreude. Vielleicht hätte Ignatz versuchen sollen, die Bedrohung ein wenig plastischer darzustellen. Offensichtlich hielt sie es für ein großartiges Abenteuer, was da auf sie zukam. »Auf die Idee wäre ich niemals gekommen!« 
Sie verrenkte sich, um den Reißverschluß auf dem Rücken ihres Raumanzuges zuzuziehen. Bevor noch irgend jemand es sich anders überlegen konnte, und auch bevor Ignatz dazu kam, die nutzlose Sauerstoffflasche zu erwähnen, hatte sich Lucy den Helm geschnappt, die Luke aufgeschoben und war aus der Freezer hinaus in die unendlichen Tiefen des Alls gesprungen. Hans gab ein entsetztes Keuchen von sich.
»Das wird schon wieder«, murmelte Ignatz. »Das wird schon wieder.« Solange er nicht präzisieren mußte, was genau wieder werden würde, zeigte der Satz bei Hans seine beruhigende Wirkung. Es wirkte zugegeben deprimierend, die leer gähnende Ladeluke hinter Lucy zu schließen.
Wie ein schmutziggrauer haariger Haufen lag das Flokatikostüm am Boden, wo Lucy es hingeworfen hatte. Ignatz bückte sich, um es aufzuheben … oder sollte er zuerst die Commander-Uniform, die er immer noch anhatte ausziehen? Er kam nicht dazu, diese Frage gebührend abzuwägen, denn nur wurde plötzlich wieder die innere Tür der Schleuse aufgerissen.
Ignatz, Hans, Prinzessin Hanuta und dieser Junge, den er bis jetzt nur als Eliot angeblichen Sohn kannte, stießen einen synchronen entsetzten Aufschrei aus.
»Verbrecher!« kreischte die Prinzessin, und der Junge, in nicht minder schriller Tonlage: »Verräter!«
Während Hans verzweifelt versuchte, sich selbst und die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen, schaltete Ignatz sofort. Er zog die Schultern zusammen, und das verkniffene Lächeln des Commanders erschien wieder um seine Mundwinkel.
»Verräter, in der Tat«, sagte er heiser und kicherte psychopathisch. »Das hast du gut erkannt, mein Junge. Kannst du nun auch erraten, wen ich verraten habe?«
»Mein Volk!« rief die Prinzessin pathetisch. »Den Planeten Apura!«
»Falsch!« sagte Perkins. »Niemand anderen als den Finstern Eliot Lode persönlich. Es muß auch Doppelagenten geben, n’est-ce pas? Und einer davon bin ich. Ich stelle mein Leben in den Dienst der Rebellen.« Das leise, heisere Lachen ließ die Kinder erschrocken zurückfahren. Ignatz registrierte es voller Zufriedenheit, und er hörte, wie Hans erleichtert aufatmete. Dann fiel sein Blick auf den Flokatihaufen auf dem Fußboden. Hoffentlich hatten sie ihn nicht bemerkt! Sicher waren nicht einmal sie dumm genug zu glauben, daß Tabaccso versehentlich mit einer Wasserlache in Berührung gekommen und daraufhin mit einer gegrunzten Variante von ‘Ich vergehe!’ geschmolzen war.
»Und wo ist Tabaccso?« fragte der Junge, sah sich suchend nach allen Seiten um, bemerkte jedoch nicht den Tatbestand auf dem Boden.
»Ich habe ihm eine Warnung überbracht«, erklärte Commander Perkins, »und das allein sollte schon genügen, um euch von meiner bedingungslosen Loyalität zu überzeugen. Lord Sarn, ein alter Bekannter und Gegenspieler von mir und Lord Lode - Sie kennen ihn auch, nicht wahr, Olo? - macht Anstalten, Flokat zu erobern. Tabaccso ist sofort aufgebrochen, um seinem Volk beizustehen. Bis dahin«, die Zeit war wieder reif für ein weiteres Lachen, »werde ich ihn nach besten Fähigkeiten vertreten.«
Das boshafte Lächeln auf den Lippen des Commanders war nicht gespielt. Hanuta und der Junge waren bleich vor Entsetzen. In Anbetracht der Tatsache, daß sie an dem ganzen Ärger Schuld hatten, geschah ihnen das mehr als Recht.
»Nun gut«, sagte Hans, der endlich die Sprache wiedergefunden hatte. »Wo wir nun schon einmal alle hier versammelte sind … darf ich vorstellen? Mr. Perkins, die Prinzessin kennen Sie ja bereits. Und dies hier ist Keith Svensson, unser aufstrebender Jungheld.«
Hanuta blickte Hans anklagend an. »Das haben Sie gewußt, Olo! Daß Perkins kommen würde, meine ich. Und sie haben uns nichts davon gesagt! Obwohl wir alles Recht hatten -«
»Tabaccso und ich haben den Funkspruch gerade erst empfangen«, erklärte Hans ein wenig lahm - warum wollte er nicht den längst überfälligen Volkshochschulkurs in Sachen Stehgreiftheater belegen? - und schaffte es auch nicht, die Jugendlichen zu überzeugen.
»Ein Funkspruch?« fragte Keith erstaunt. »Aber ich war die ganze Zeit vorne im Cockpit und habe nichts mitbekommen.«
»Er war codiert«, versuchte Hans sich herauszureden. 
Ignatz schüttelte ungeduldig den Kopf. »Wie dumm seid ihr denn?« fauchte er. »Glaubt ihr, ich versetze Lord Lode und sende dann auf normalen Frequenzen, wo mich jeder abhören kann? Wie rückständig ist diese Welt denn? Ich funke natürlich per Ultraschall!«
Das funktionierte. Wenn es die beiden noch nicht überzeugt hatte, so wollte es doch keiner darauf anlegen, sich mit Commander Perkins anzulegen. Innerlich streckte sich Ignatz genießerisch. Eine nette Zeit kam da auf ihn zu. Die Leute hatten Respekt vor ihm, und niemand würde auf die Idee kommen, seinen Tee zu vergiften.
Hoffte er zumindest.


Ein altes Sprichwort besagt: ‘Im Weltraum hört dich niemand schreien’. Und so verhallten auch Lucys begeisterte Ausrufe ungehört in den unendlichen Weiten.
»Ja! Ja! Ja! Ja! Ja!«
Wie lange hatte sie auf diesen Tag gewartet? Wochen? Jahre? Ihr ganzes Leben? Nun war der Augenblick gekommen, in der sie der Welt, vor allem aber Ignatz, Eliot und Hans, beweisen konnte, daß mehr in ihr steckte als eine hochbegabte Maschinistin. Sie hätte jederzeit die Aufnahme an der Schauspielschule bestehen können, wenn sie es darauf angelegt hätte. Nun würde sie das vollbringen, woran selbst Ignatz, der gepriesene Ignatz, gescheitert war. Und sie wußte schon genau, wie sie es anstellen würde.
Alles, was sie dazu noch brauchte, war die passende Verkleidung.
»Sag mal«, fragte Hans in einem unbeobachteten Moment, »was habt ihr eigentlich mit Keith’ Verwandten gemacht?«
Ignatz zuckte die Schultern. »Nichts Schlimmes. Wir haben sie auf Palladam XII abgesetzt.«
»Palladam XII?« rief Hans entsetzt. »Aber da werden sie Schlabber-dem-Hopf in die Hände fallen!«
»Schlabber-der-Hopf hat überhaupt keine Hände. Er hat Tentakeln.«
»Na, dann ist es ja gut.«


Commander Eberhardt fuhr herum, als er das energische Klappern weiblicher Absätze auch dem Gang nahen hörte. Er nahm seine neue Aufgabe als Leibwache des Finsteren Lords sehr ernst. Nun, da die größte Gefahr in Form des wahnsinnigen Perkins beseitigt war, gab es nur noch eine Person, die dem Imperium gefährlich werden konnte: Ex-Prinzessin Hanuta.
»He, halt! Wer da?« brüllte Eberhardt, seinen frisch polierten Blaster schußbereit.
Aber es war nicht Hanuta. Dies war eine wildfremde Frau, und bei ihrem Anblick konnte sich Eberhardt gut vorstellen, wie es ihr gelungen war, unten an den Wachen vorbeizukommen. Ihr langes schwarzes Haar hing ihr bis zur Hüfte und war damit fast noch länger als ihr enges, aber sehr großzügig geschnittenes silbernes Kleid. Es waren ihre hochhackigen schwarzen Stiefel, die das Geräusch verursacht hatten. Aus ihren blaublitzenden Augen sprach eine Entschlossenheit, die nicht mit sich spaßen ließ. Aber Eberhardt kannte seine Aufgabe. Seine Loyalität gehörte allein Lord Lode.
»Ich muß Eliot sehen«, sagte die Frau mit melodischer Stimme, die keinen Widerspruch duldete. »Es ist dringend.«
»Nein«, bellte Eberhardt. »Niemand betritt seine Räumlichkeiten außer ihm selbst! Anordnung vom Lord persönlich.«
»Er würde sehr ärgerlich werden, wenn er erführe, daß sie mich nicht zu ihm gelassen haben. Ausgesprochen ärgerlich.«
Aber Eberhardt ließ sich nicht einschüchtern. Diesen Spruch kannte er nur zu genüge. Sicher war dies nur eine weitere Finte der Rebellen. Vermutlich war diese Frau sogar Hanuta in Person! Sie trug zwar eine Perücke und hatte sich bleich geschminkt, aber es war ihr nicht gelungen, ihre blauen Augen zu tarnen. Niemand täuschte Commander Eberhardt von der imperialen Leibwache.
»Wenn Sie noch einen Schritt tun, Miss, geht mein Blaster los! Ich habe ihre Absichten durchschaut, Prinzessin Hanuta
Der Blick der Frau erstarrte zu Trockeneis*. »Mein Bruder hätte ihnen beibringen sollen, wie man seine Arbeit verrichtet. Aber Eliot neigte immer schon zu Nachlässigkeit.«
»Ihr … Bruder?« keuchte Eberhardt.
»Mein Bruder. Hätten Sie auch nur einen Funken Verstand im Kopf, so hätten Sie mich nach meinem Namen gefragt. Ich bin Eliots Schwester. Mein Name ist Lucilla Lode.«
Eine leise Stimme warnte Eberhardt, daß dies so ziemlich jede Frau behaupten konnte, ohne daß es wahr sein mußte. Lord Lode hatte niemals eine Schwester erwähnt. Aber wenn sie die Wahrheit sagte, dann konnte es wirklichen Ärger geben, wenn er seinen Herrn nicht benachrichtigte. Eberhardt schluckte.
»Ähm … Warten Sie einen Moment, Miss … Lady Lode. Ich … werde Ihren Bruder benachrichtigen.«
Er klopfte kurz und trat schnell, ohne eine Antwort abzuwarten, denn die gab es niemals, in die Privatgemächer, die er bewachen sollte. Der Finstere Eliot war in eine Lektüre vertieft und blickte interessiert lächelnd auf, als sein Leibwächter eintrat.
»Was gibt es?«
»Mylord, hier ist eine Frau, die behauptet, ihre Schwester zu sein. Soll ich sie einlassen?«
»Wenn sie meine Schwester ist, dann sollten Sie das in der Tat tun«, sagte Lord Lode und lächelte so, daß es Eberhardt kalt über den Rücken lief. Eilig verließ er den Raum.
»Es ist in Ordnung, Miss. Er will sie sehen.«
»Das hatte ich auch nicht anders erwartet«, sagte die Frau, die sich Lucilla Lode nannte, warf ihm noch einen Verächtlichen Blick zu und betrat die Gemächer ihres Bruders. Eberhardt blieb wachsam an der Tür stehen und lauschte. Wenn Lord Lode nun doch eine Gefahr drohte - und diese Frau sah eindeutig gefährlich aus - dann mußte Eberhardt sofort bei ihm sein können. Aber was er hörte, klang wirklich nur wie eine harmlose Begrüßung unter Geschwistern: »Eliot!«
»Schwesterherz!«
Dann ein gemeinschaftliches herzliches Lachen. 
Dann ein Knall. Die Tür wurde von der Wucht der Explosion aus ihren Angeln gerissen und traf Eberhardt mit aller Wucht. 


»Und du bist sicher, daß es funktionieren wird?« fragte Ignatz flüsternd. »Ich sage dir, es kann nicht gutgehen! Lucy hat keine Erfahrung mit Schurken. Sie wird vielleicht Eliot heile da raus bekommen, aber dann haben diese Kerle sie!«
»Du darfst nicht alles so schwarz sehen«, flüsterte Hans zurück. »Lucy ist eine wundervolle Frau. Sie wird es schon schaffen. Würdest du dich gerne mit ihr anlegen, wenn sie wütend ist?« Ignatz schüttelte den Kopf. Hans nickte. »Eben.«


Als Eberhardt wieder zu sich kam, verzog sich gerade langsam der Rauch. Er blickte auf die immer noch glänzenden Stiefelspitzen der Frau. Stöhnend richtete er sich auf - und fand sich Auge in Auge wieder mit einer großkalibrigen Laserkanone, die vorher noch nicht in ihren Händen gewesen war.
»Das Blatt hat sich gewendet«, sagte sie kalt. »Sagen Sie allen, die es etwas angeht, daß mein unfähiger Bruder nicht mehr unter uns weilt. Die neue Herrscherin des Planeten Apura bin ich - Lady Lucilla Lode.«
Eberhardt erstarrte unter ihrem Blick. Widerstand war zwecklos.


Dies war einst das Schlafgemach der Prinzessin gewesen, und es zeigte immer noch viele Spuren der früheren Bewohnerin: Sie mußte eine Vorleibe für ihren eigenen Anblick gehabt haben, denn kaum eine Wand oder ein Winkel war nicht mit einem beleuchteten Spiegel ausgestattet. So auch der Wandschrank.
Eliot verlor keine Sekunde. Noch er die Schranktür hinter sich zu zog, hatte er sich die Perücke heruntergerissen. Der Finstere Eliot Lode war tot. Es wurde Zeit für einen neuen Helden. Im Schrank war alles, was er brauchte - seine Kostüme und die Schminke und nun auch noch ein Spiegel. Besser konnte es nicht laufen. 
Keine fünf Minuten später schaute ihn ein neues Gesicht an - nicht mehr filigran und anämisch bleich, sondern braungebrannt und kräftig. Schwarzes Kraushaar ersetzte die weiße Mähne. Niemand hätte Eliot mehr für den finsteren Lord gehalten. Kritisch beäugte er den Sitz seines neuen Schnurrbartes. Irgend etwas stimmte noch nicht. 
Wie sollte er sich nennen? Es durfte keinerlei phonetische Ähnlichkeit mit Eliot Lode haben. Was paßte zu diesem Gesicht?
»Wilbur O’Thello?« überlegte Eliot laut, als er merkte, was falsch war. Sein Gesicht sah ihn an mit den blauen Augen des finsteren Lords. Eliot grinste und setzte sich vorsichtig zwei dunkelbraune Kontaktlinsen ein. Ungewohnt, aber perfekt.
Während Lucy die Schloßbelegschaft ablenkte, indem sie ankündigte, nun endlich das Universum zu erobern, verließ Lonso Chamberlain ungestört und unbeachtet Schloß Apura durch das Hauptportal.


* - 73,1 °C

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